Mit dem Landkreis Ravensburg, dem Landkreis Rottweil, der Stadt Schweinfurt und der Stadt Coburg zeigt sich, dass in süddeutschen Kommunen derzeit bei der IT-Beschaffung viel in Bewegung ist. Waren in den letzten Jahren die Auseinandersetzungen zwischen privatwirtschaftlich tätigen, kommunalen und halböffentlichen Unternehmen auch deshalb beständig härter geworden, weil versucht wurde, gesetzeskonforme Ausschreibungen zu umgehen, tritt nun durch den Einsatz regulärer Vergabeverfahren eine Entspannungsphase ein.
Ravensburg, Rottweil, Schweinfurt und Coburg haben zu dieser positiven Entwicklung beigetragen, indem sie ihren Wunsch nach einem Softwarewechsel bundesweit ausschrieben. Zahlreiche andere Kreise und Städte haben Ausschreibungen angekündigt. Der Knoten scheint besonders in Baden-Württemberg geplatzt zu sein - viele Kommunen beobachten mit Interesse das derzeitige Geschehen und befinden sich in den Startlöchern für eigene Aktivitäten.
Begrüßenswert ist die Entwicklung nicht nur für die Firmen, die sich in einem fairen Wettbewerb an ihrer Leistung, ihrem Sachverstand und ihren operativen Fähigkeiten messen lassen möchten. In erster Linie profitieren davon die Kommunen selbst, die sich mit dem Einsatz von Steuergeldern dazu verpflichten, die wirtschaftlichste Lösung aus dem Markt aller Anbieter zu filtern. Mit einer Ausschreibung befreien sie sich auch aus dem Zwang vorgefertigter Strukturen und aufoktroyierter EDV-Systeme. So führte zum Beispiel der Versuch eines Unternehmens, nach der Übernahme der Firma PK Software Engineering die Entwicklung des Produktes basis3ooo einzustellen, um im Anschluss daran ein eigenes Nachfolgeprodukt einzusetzen, nicht zum erhofften Erfolg. Die Kommunen ließen sich das Nachfolgeprodukt nicht aufzwingen, sondern machten von ihrem Recht auf Ausschreibung Gebrauch.
Der vorliegende Fall zeigt einmal mehr, dass Ausschreibungen Kommunen in ihrem Bestreben nach Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung stärken, weil sie eine objektive, transparente Wahl ermöglichen. Wie in einem Lehrstück beweist sich mit dem Fall basis3ooo, dass der Markt der öffentlichen Verwaltung sich nicht einnehmen und überfahren lässt. Es geht vielmehr darum, jede einzelne Kommune von der Qualität seines Produktes in einem fairen Wettbewerb zu überzeugen. Wer das verstanden hat, kann nur gewinnen.