Software LÄMMkom mit integriertem Care- und Casemanagement aus einem Guss
Das Zittern macht ihr zu schaffen, beim Essen, beim Anziehen, beim Verrichten alltäglicher Tätigkeiten. Frau K.’s Kinder fahren schon heute wechselweise täglich bei ihrer Mutter vorbei, um sie in schwierigen Phasen zu füttern, den Haushalt zu richten und Einkäufe zu erledigen. Frau K. ist pflegebedürftig. Das Eingeständnis war für sie und ihre Angehörige wichtig. Nun sehen sie sich vor einem Berg von Aufgaben: Wo muss was beantragt werden? Soll die Mutter zu Hause gepflegt, ein Pflegedienst beauftragt oder doch eine Heimunterbringung organisiert werden? Welche Unterstützung gibt es für die häusliche Pflege? Und wie wäre der eigene Beruf überhaupt mit der Betreuung in Einklang zu bringen?
Die Unterstützung von Angehörigen wie bei Frau K. soll zukünftig in sogenannten Pflegestützpunkten praktiziert werden. Der Rechtsanspruch auf Pflegeberatung besteht seit dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz (PfWG) vom Sommer 2008. Bis zum Jahresende haben die Pflegekassen nun Zeit, auf Antrag des Landes flächendeckend Pflegestützpunkte einzurichten, sodass Angehörige eine Anlaufstelle haben, wenn ein Pflegefall in der Familie eintritt.
Nicht allzu viel Zeit in Anbetracht der Tatsache, dass sich so manches Bundesland noch abwartend verhält, tatsächlich aber Personal, Software, Räumlichkeiten und eine stärkere Vernetzung der Akteure aufgebaut werden müssen. Denn im Stützpunkt sollen nicht nur alle Angebote zur Unterstützung des Betroffenen und deren Angehörigen zusammenlaufen, sondern auch Anträge gestellt und Entscheidungen getroffen werden. Dazu müssen die Verantwortlichen in Kreisen und Städten, die Kranken- und Pflegekassen, die stationären und teilstationären Einrichtungen, die privaten Versicherungsunternehmen, die Wohlfahrtsverbände, Ärzte und Therapeuten, Sozialämter und sozialpsychologische Dienste, die Betreiber ambulanter Besuchs- und Hospizdienste, Selbsthilfegruppen u.v.a. Hand in Hand arbeiten. Erst dann entsteht für jeden Betroffenen von der allgemeinen Beratung bis zum individuellen Fallmanagement ein niedrigschwelliger Zugang zu vorbeugenden, begleitenden und pflegerischen Hilfen.
Die Kommunen wählen dafür Softwarelösungen wie LÄMMkom aus, die in der Lage sind, sich an die komplexen Netzwerkstrukturen der Stützpunkte anzupassen und zentrale Aufgaben von der Datenaufnahme über die allgemeine Beratung bis zum konkreten Fallmanagement mit Zielplan, Maßnahmenvermittlung und Zielevaluation zu übernehmen. Bundesländer wie Bayern streben eine landesweite Lösung mit einer einheitlichen Softwareausstattung an, während sich andernorts Städte und Kreise selbstständig für eine passende IT-Lösung entscheiden. Besonders die niedersächsischen Kommunen und die Kreise und Städte Baden-Württembergs klopfen derzeit häufig an die Tür der Dortmunder Softwareschmiede Lämmerzahl. Denn zukünftig wird es mit der Software auch möglich sein, Auswertungsdaten der Pflegestützpunkte an die Länder zu übergeben, sodass eine übergreifende Steuerung möglich wird. Alter, Geschlecht und Pflegestufe der Hilfebedürftigen, Zeitdauer pro Erst- oder Folgekontakt, nachgefragte Themenbereiche, erbrachte Leistungen und zahlreiche andere Details können in beliebigen Kombinationen ausgewertet und dadurch Trends und Tendenzen für verbesserte Lenkung aufgezeigt werden. „Derzeit läuft bei uns die Phase der Angebotserstellung und -umsetzung für unser LÄMMkom-Modul auf Hochtouren“, berichtet Vertriebsleiter Jochen Stolte. „Manches lässt sich jedoch nicht schriftlich kommunizieren, besonders wenn es um integrierte Lösungen in Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen geht. Dann ergänzen unsere Fachberater vor Ort in einer Live-Präsentation, was sich nicht auf dem Blatt darstellen lässt. So können sich die Mitarbeiter dann auch gleich ein genaues Bild über die Bedienung, wichtige Funktionen und Abbildungsmöglichkeiten eigener Workflows machen.“
Im Landkreis Soltau-Fallingbostel haben die verantwortlichen Mitarbeiter des Kreises, der Krankenhäuser und Beratungsstellen ein gemeinsames Anforderungsprofil erstellt, mit dem man den zukünftigen Herausforderungen begegnen möchte. „Wir prüfen nun ab, welche Funktionen dem Profil genügen“, berichtet Michael Gerken, Verfahrensbetreuer im Fachbereich Soziales. In LÄMMkom lassen sich zum Beispiel die Daten zum Klienten und zu den Angehörigen mit dem gleichen Informationsumfang erfassen und auswerten. Neben der Eingruppierung als Beratungsfall, als Abgabe einer Einzelinformation oder als Bestandteil der Fallsteuerung müssen Hilfebedarfe, Situations- und Kontaktinformationen zum Klienten eingetragen, kontinuierlich ergänzt oder geändert werden. Daher lässt sich die Einstufung auch im Fallverlauf anpassen. Die Daten werden so lange archiviert, bis die gesetzliche Löschfrist greift. „Aber bis dahin heißt es für uns, unsere elektronische Fallakte zu führen“, erzählt Michael Gerken aus der alltäglichen Arbeit der Kollegen. LÄMMkom erinnert die Mitarbeiter per Kalender, Erinnerungs- und Wiedervorlagefunktion an ablaufende Termine, hält alle benötigten Dokumente als Vorlagen vor und speichert eingehende Anträge, Schriftstücke und Materialien in chronologischer Reihenfolge in der jeweiligen Akte. „LÄMMkom interessiert uns für unseren Pflegestützpunkt auch deshalb, weil wir damit flexibel auf zusätzliche Anforderungen reagieren können“, berichtet der Verfahrensbetreuer. Der hohe Grad an Parametrisierbarkeit gibt dem Kreis besonders im Rahmen knapper Haushaltsmittel Investitionssicherheit. Wenn für das Profiling, die Hilfeplanung oder die Kennzahlenauswertung weitere Informationen hinterlegt werden müssen, kann der kreiseigene Verfahrensbetreuer mit schneller fachlicher Unterstützung aus Dortmund rechnen. „Diese Sicherheit im Rücken wünschen sich viele Kommunen, die sich jetzt um ihre Pflegestützpunkte kümmern“, weiß Heike Binz, Fachberaterin bei Lämmerzahl, aus den Gesprächen mit den EDV-Fachleuten.
In Schleswig-Holstein haben sich die Verantwortlichen für eine Zusammenarbeit von Pflegekassen und Kommunen entschieden. Durch die gemeinsame Trägerschaft sollen sowohl die kommunalen Strukturen - wie Altenhilfenetzwerke und Altenhilfeplanung - als auch die Strukturen der Pflegekassen genutzt werden. Im Landesrahmenvertrag hält Schleswig-Holstein die Bedingungen für die Einrichtung, den Betrieb und die Finanzierung der Pflegestützpunkte fest. Doch die Kommunen sind rechtlich nicht zu einer Mitarbeit verpflichtet. Nur wenn es die Haushaltslage hergibt, werden sich Städte und Kreise entsprechend einbringen. Ob das Ziel, einen Stützpunkt pro Kreis bzw. kreisfreier Stadt zu errichten, auf dieser Basis rechtzeitig gelingt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall soll aber die Pflegeberatung, die derzeit bei zahlreichen Landeskrankenkassen angesiedelt ist, als selbstständiger Bereich in den Pflegestützpunkten integriert werden. Dort werden die Pflegeberater weiterhin das Einzelfallmanagement bei entsprechendem Leistungsanspruch übernehmen, während sich das Care-Management des Stützpunktes auf die Prävention, die Anfangsberatung und die allgemeinere Darlegung möglicher Hilfen und Maßnahmen konzentriert. Die Klärung der Alltagssituation der Hilfebedürftigen und umfassende Hilfestellung bei der Antragstellung erleichtern den Angehörigen den Einstieg in einen Bereich, mit dem sich viele betroffene Familien oftmals bis dato noch gar nicht auseinandergesetzt haben.
Im Landkreis Osnabrück wird seit April der erste eigene Pflegestützpunkt mit LÄMMkom betrieben. Nach einer komplexen Auswahl aus verschiedenen Angeboten entschied sich der Kreis auch für die Dortmunder, weil sich die Anbindung an die Sozialhilfe so reibungslos umsetzen ließ. Im Sozialamt kennen die Mitarbeiter LÄMMkom als verfahrenssicheres und flexibles Programm, dessen Anwendung ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist. „Zwei Tage Installation und Konfiguration und zwei Tage Schulung genügten und wir konnten mit der Arbeit starten“, berichtet Verfahrensbetreuer Kurt Gohmann aus Osnabrück. „Zwischen Einführung und Echtbetrieb lagen nur zwei Wochen, sodass wir den Pflegestützpunkt trotz geringem Zeitbudget fristgerecht eröffnen konnten.“ Die Mitarbeiter wollen neben der Vor-Ort-Beratung auch Hausbesuche anbieten und mit LÄMMkom mobil sein. Zu diesem Zweck bieten die Dortmunder ihre Software auch über das Internet als Software as a Service-Lösung an. In Osnabrück soll die mandantenfähige Client-Server-Lösung zunächst noch nicht durch den Direktzugang über das World Wide Web abgelöst werden.
In Rheinland-Pfalz ist das Landesministerium dabei, eine Ausschreibung vorzubereiten, die die Softwareausstattung für die geplanten 135 Pflegestützpunkte sicherstellt. In Thüringen sehen die Verantwortlichen zunächst dagegen nur für eine handvoll Standorte wirkliche Umsetzungsmöglichkeiten. Und Sachsen hat sich gar dazu entschieden, das erweiterte Informations- und Beratungsangebot allein über Telefon und Internet laufen zu lassen. In Chemnitz, Görlitz, Nordsachsen und dem Vogtland erprobt, schließen sich derzeit immer mehr Kommunen dem elektronischen Pflegenetz an. Der Griff zum Telefonhörer genügt jedoch, um eine Einzelfallberatung in häuslicher Umgebung zu verabreden. Mit welcher Betreuungsform die Bundesländer am besten fahren werden, lässt sich erst mittelfristig feststellen. Aber selbst für die reflektierte Bewertung der eigenen Arbeit wird eines überall benötigt: eine zuverlässige, vollintegrierte Software.