LÄMMkom - Software für die Sozialgesetzgebung
Pflegereform aktuell: Vernetzung in Pflegestützpunkten wird konkreter    Montag, 28. Juni 2010

Software LÄMMkom mit integriertem Care- und Casemanagement aus einem Guss

Das Zittern macht ihr zu schaffen, beim Essen, beim Anziehen, beim Ver­rich­ten all­täglicher Tätigkeiten. Frau K.’s Kinder fahren schon heute wechselweise täg­lich bei ihrer Mut­ter vorbei, um sie in schwierigen Phasen zu füttern, den Haushalt zu rich­ten und Ein­käu­fe zu erledigen. Frau K. ist pflegebedürftig. Das Eingeständnis war für sie und ihre An­ge­hö­ri­ge wichtig. Nun sehen sie sich vor einem Berg von Aufgaben: Wo muss was beantragt wer­den? Soll die Mutter zu Hause gepflegt, ein Pflegedienst be­auftragt oder doch eine Heim­unter­bringung organisiert werden? Welche Un­ter­stüt­zung gibt es für die häusliche Pflege? Und wie wäre der eigene Beruf überhaupt mit der Betreuung in Einklang zu bringen?


Die Unterstützung von Angehörigen wie bei Frau K. soll zukünftig in sogenannten Pflege­stütz­punkten praktiziert werden. Der Rechtsanspruch auf Pflegeberatung besteht seit dem Pfle­ge-Weiterentwicklungsgesetz (PfWG) vom Sommer 2008. Bis zum Jahresende haben die Pflegekassen nun Zeit, auf Antrag des Landes flächendeckend Pflegestützpunkte ein­zu­rich­ten, sodass Angehörige eine Anlaufstelle haben, wenn ein Pflegefall in der Familie ein­tritt.

Nicht allzu viel Zeit in Anbetracht der Tatsache, dass sich so manches Bundesland noch ab­war­tend verhält, tatsächlich aber Personal, Software, Räumlichkeiten und eine stärkere Ver­net­zung der Akteure aufgebaut werden müssen. Denn im Stützpunkt sollen nicht nur alle An­ge­bote zur Unterstützung des Betroffenen und deren Angehörigen zusammenlaufen, son­dern auch Anträge gestellt und Entscheidungen getroffen werden. Dazu müssen die Ver­ant­wort­lichen in Kreisen und Städten, die Kranken- und Pflegekassen, die stationären und teil­sta­tionären Einrichtungen, die privaten Versicherungsunternehmen, die Wohlfahrtsverbände, Ärz­te und Therapeuten, Sozialämter und sozialpsychologische Dienste, die Betreiber am­bu­lan­ter Besuchs- und Hospizdienste, Selbsthilfegruppen u.v.a. Hand in Hand arbeiten. Erst dann entsteht für jeden Betroffenen von der allgemeinen Beratung bis zum individuellen Fall­ma­nagement ein niedrigschwelliger Zugang zu vorbeugenden, begleitenden und pfle­ge­ri­schen Hilfen.

Die Kommunen wählen dafür Softwarelösungen wie LÄMMkom aus, die in der Lage sind, sich an die komplexen Netzwerkstrukturen der Stützpunkte anzupassen und zentrale Auf­ga­ben von der Datenaufnahme über die allgemeine Beratung bis zum konkreten Fall­ma­na­ge­ment mit Zielplan, Maßnahmenvermittlung und Zielevaluation zu übernehmen. Bundesländer wie Bayern streben eine landesweite Lösung mit einer einheitlichen Softwareausstattung an, wäh­rend sich andernorts Städte und Kreise selbstständig für eine passende IT-Lösung ent­schei­den. Besonders die niedersächsischen Kommunen und die Kreise und Städte Baden-Württem­bergs klopfen derzeit häufig an die Tür der Dortmunder Softwareschmiede Läm­mer­zahl. Denn zukünftig wird es mit der Software auch möglich sein, Auswertungsdaten der Pfle­gestützpunkte an die Länder zu übergeben, sodass eine übergreifende Steuerung mög­lich wird. Alter, Geschlecht und Pflegestufe der Hilfebedürftigen, Zeitdauer pro Erst- oder Fol­ge­kontakt, nachgefragte Themenbereiche, erbrachte Leistungen und zahlreiche andere De­tails können in beliebigen Kombinationen ausgewertet und dadurch Trends und Ten­den­zen für verbesserte Lenkung aufgezeigt werden.  „Derzeit läuft bei uns die Phase der Angebots­erstellung und -umsetzung für unser LÄMMkom-Modul auf Hoch­touren“, berichtet Ver­triebs­lei­ter Jochen Stolte. „Manches lässt sich jedoch nicht schrift­lich kommunizieren, besonders wenn es um integrierte Lösungen in Zusammenarbeit mit an­de­ren Fachbereichen geht. Dann ergänzen unsere Fachberater vor Ort in einer Live-Prä­sen­ta­tion, was sich nicht auf dem Blatt darstellen lässt. So können sich die Mitarbeiter dann auch gleich ein genaues Bild über die Bedienung, wichtige Funktionen und Ab­bildungs­mög­lich­keiten eigener Workflows machen.“

Im Landkreis Soltau-Fallingbostel haben die verantwortlichen Mitarbeiter des Kreises, der Kran­ken­häu­ser und Beratungsstellen ein gemeinsames Anforderungsprofil erstellt, mit dem man den zu­kün­ftigen Herausforderungen begegnen möchte. „Wir prüfen nun ab, welche Funk­tionen dem Profil genügen“, berichtet Michael Gerken, Verfahrensbetreuer im Fach­be­reich Soziales. In LÄMMkom lassen sich zum Beispiel die Da­ten zum Klien­ten und zu den Angehörigen mit dem gleichen Informationsumfang erfassen und auswerten. Neben der Ein­grup­pierung als Beratungsfall, als Abgabe einer Einzel­in­for­ma­tion oder als Bestandteil der Fallsteuerung müssen Hilfebedarfe, Situations- und Kon­takt­in­formationen zum Klienten ein­ge­tragen, kontinuierlich ergänzt oder geändert werden. Daher lässt sich die Einstufung auch im Fallverlauf anpassen. Die Daten werden so lange archi­viert, bis die ge­setzliche Löschfrist greift. „Aber bis dahin heißt es für uns, unsere elek­tro­ni­sche Fallakte zu führen“, erzählt Michael Gerken aus der alltäglichen Arbeit der Kollegen. LÄMM­kom erin­nert die Mitarbeiter per Kalender, Erinnerungs- und Wiedervorlagefunktion an ab­lau­fende Ter­mine, hält alle benö­tig­ten Dokumente als Vorlagen vor und speichert ein­ge­hen­de An­trä­ge, Schriftstücke und Materialien in chronologischer Reihenfolge in der jewei­li­gen Akte. „LÄMM­kom inte­res­siert uns für unseren Pflegestützpunkt auch deshalb, weil wir da­mit fle­xi­bel auf zusätzliche Anforderungen reagieren können“, berichtet der Verfahrensbetreuer. Der hohe Grad an Pa­ra­metrisierbarkeit gibt dem Kreis besonders im Rahmen knapper Haushaltsmittel In­ves­ti­tions­sicherheit. Wenn für das Profiling, die Hilfeplanung oder die Kenn­zah­len­aus­wer­tung wei­tere Informationen hinterlegt werden müssen, kann der kreiseigene Ver­fahrens­be­treu­er mit schneller fachlicher Unterstützung aus Dortmund rechnen. „Diese Sicherheit im Rüc­ken wün­schen sich viele Kom­munen, die sich jetzt um ihre Pflegestützpunkte kümmern“, weiß Heike Binz, Fach­be­raterin bei Lämmerzahl, aus den Gesprächen mit den EDV-Fach­leu­ten.

In Schleswig-Holstein haben sich die Verantwortlichen für eine Zusammenarbeit von Pfle­ge­kas­sen und Kommunen entschieden. Durch die gemeinsame Trägerschaft sollen sowohl die kom­munalen Strukturen - wie Altenhilfenetzwerke und Altenhilfeplanung - als auch die Struk­tu­ren der Pflegekassen genutzt werden. Im Landesrahmenvertrag hält Schleswig-Holstein die Bedingungen für die Einrichtung, den Betrieb und die Finanzierung der Pflegestützpunkte fest. Doch die Kommunen sind rechtlich nicht zu einer Mitarbeit verpflichtet. Nur wenn es die Haus­haltslage hergibt, werden sich Städte und Kreise entsprechend einbringen. Ob das Ziel, ei­nen Stützpunkt pro Kreis bzw. kreisfreier Stadt zu errichten, auf dieser Basis rechtzeitig ge­lingt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall soll aber die Pflegeberatung, die derzeit bei zahl­rei­chen Landeskrankenkassen angesiedelt ist, als selbstständiger Bereich in den Pfle­ge­stütz­punk­ten integriert werden. Dort werden die Pflegeberater weiterhin das Einzel­fall­manage­ment bei entsprechendem Leistungsanspruch übernehmen, während sich das Care-Manage­ment des Stützpunktes auf die Prävention, die Anfangsberatung und die allgemeinere Dar­le­gung möglicher Hilfen und Maßnahmen konzentriert. Die Klärung der Alltagssituation der Hil­fe­bedürftigen und umfassende Hilfestellung bei der Antragstellung erleichtern den An­ge­hö­rigen den Einstieg in einen Bereich, mit dem sich viele betroffene Familien oftmals bis dato noch gar nicht auseinandergesetzt haben.

Im Landkreis Osnabrück wird seit April der erste eigene Pflegestützpunkt mit LÄMM­kom betrieben. Nach einer komplexen Auswahl aus verschiedenen Angeboten entschied sich der Kreis auch für die Dortmunder, weil sich die Anbindung an die Sozialhilfe so rei­bungs­los umsetzen ließ. Im Sozialamt kennen die Mitarbeiter LÄMMkom als verfahrens­si­cheres und flexibles Programm, dessen Anwendung ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist. „Zwei Tage Installation und Konfiguration und zwei Tage Schulung genügten und wir konn­ten mit der Arbeit starten“, berichtet Verfahrensbetreuer Kurt Gohmann aus Osnabrück. „Zwischen Einführung und Echt­betrieb lagen nur zwei Wochen, sodass wir den Pflege­stützpunkt trotz geringem Zeit­bud­get fristgerecht eröffnen konnten.“ Die Mitarbeiter wollen neben der Vor-Ort-Beratung auch Hausbesuche anbieten und mit LÄMMkom mobil sein. Zu diesem Zweck bieten die Dort­mun­der ihre Software auch über das Internet als Software as a Service-Lösung an. In Osnabrück soll die mandantenfähige Client-Server-Lösung zunächst noch nicht durch den Di­rekt­zugang über das World Wide Web abgelöst werden.

In Rheinland-Pfalz ist das Landesministerium dabei, eine Ausschreibung vorzubereiten, die die Softwareausstattung für die geplanten 135 Pflegestützpunkte sicherstellt. In Thüringen se­hen die Verantwortlichen zunächst dagegen nur für eine handvoll Standorte wirkliche Um­set­zungsmöglichkeiten. Und Sachsen hat sich gar dazu entschieden, das erweiterte In­for­ma­tions- und Beratungsangebot allein über Telefon und Internet laufen zu lassen. In Chemnitz, Gör­litz, Nordsachsen und dem Vogtland erprobt, schließen sich derzeit immer mehr Kom­mu­nen dem elektronischen Pflegenetz an. Der Griff zum Telefonhörer genügt jedoch, um ei­ne Einzelfallberatung in häuslicher Umgebung zu verabreden. Mit welcher Betreuungsform die Bundesländer am besten fahren werden, lässt sich erst mittelfristig feststellen. Aber selbst für die reflektierte Bewertung der eigenen Arbeit wird eines überall benötigt: eine zu­ver­läs­sige, vollintegrierte Software.